Die Profil-Profis aus Stabio
Kurz hinter Bellinzona, rechts der Autobahn E 35 nach Italien, wartet die Zukunft. Michael und Wolfgang Stumm walzen und schweißen sie dort in ihrem Unternehmen Montanstahl.
Alpen, Banken, Schokolade — typische Antworten auf die Frage „Was verbinden Sie mit der Schweiz? “. Zugegeben, die Bergpanoramen sind grandios, die Süßigkeiten köstlich und die Banken verschwiegen. Doch der Alpenstaat offeriert noch ganz andere Glanzstücke. Bestes Beispiel: die Montanstahl AG. Ein Familienunternehmen mit Wurzeln im Ruhrgebiet und Firmensitz in Stabio, im italienischen Teil der Schweiz, im Kanton Tessin. Vor allem aber ein Stahlprofilhersteller, der mit Präzisionsprodukten Kunden in aller Welt überzeugt. 1983 als Profilwalzwerk gegründet, formten die Geschäftsführer Michael und Wolfgang Stumm aus ihrem Unternehmen einen der weltweit renommiertesten Anbieter für Spezialprofile aus Stahl und Edelstahl. Eine Erfolgsgeschichte, die auf Qualität, Fachwissen, Service, Flexibilität — und auf Schnelligkeit basiert, so Michael Stumm, zuständig für den kaufmännischen Part. Wolfgang Stumm, der die Bereiche Technik und Controlling verantwortet, ergänzt: „Qualität steht für uns an erster Stelle.“
In seinen frühen Jahren produzierte das Unternehmen Stahlprofile ausschließlich im Warmwalzverfahren. Heute setzen die Schweizer auf unterschiedliche Techniken: Je nach Qualitätsanforderung wird kaltgezogen, kaltgewalzt oder lasergeschweißt, außerdem kommt in Kürze die Fertigung per Rollfügen hinzu. Den entscheidenden Qualitätssprung machte Montanstahl dann Anfang des Jahrtausends. „ ,Invent the Future‘ — das ist die sicherste Methode, sie vorauszusagen !“ Der Unternehmensslogan war für die passionierten Segler bereits damals Programm: immer hart am Wind. Ausgangspunkt war München.
Genauer gesagt die „Laser 2001. World of Photonics“. Auf der Suche nach innovativen Lösungen hatte Montanstahl bis dahin diverse neue Herstellungstechniken geprüft und verworfen. Keine erfüllte die hohen Qualitäts- und Flexibilitätsansprüche bezüglich Verarbeitung, Toleranzen und Losgrößen. Bis zur Messe in Bayern. Dort entdeckte Wolfgang Stumm die Lasertechnik. Seither bietet das Schweizer Unternehmen seinen Kunden ein komplettes Programm genormter Handelsprofile in Edelstahl rostfrei, wie Winkel-, Träger-, T- und U-Profile, geschlossene Profile, wie Kasten- und Hohlprofile, sowie zahlreiche weitere Spezialprofile nach Kundenzeichnung. Die Spezialisten bieten für ihre Produkte zudem alle denkbaren Aussparungen, engste Toleranzen, minimierte Kantenradien und makellose Oberflächen. Ab Ende 2008 strebt Montanstahl für alle Laserprofile Lieferzeiten von maximal vier Wochen an. Von so einem Tempo zwischen Auftragseingang und Auslieferung können die Mitbewerber meist nur träumen. Maßgeblich beteiligt in dieser flotten Präzisionsfertigung sind — neben TRUMPF Lasern zum Schneiden und Schweißen — die cleveren Zuführungen. Ausgetüftelte Eigenkonstruktionen, in die Wolfgang und Michael Stumm viel Zeit investierten, die sich heute auszahlt.
Mittels ausgefeilter Führungstechnik lässt sich das Vormaterial in allen nur denkbaren Positionen, Anordnungen und Kombinationen den Lasern zuführen, die diese dann zu den georderten Profilformen verschweißen. Diese europaweit einzigartigen Spezialmaschinen ermöglichen Profillängen bis maximal 15 Meter und Abmessungen zwischen 30 und 1 000 Millimeter. Zusatzeffekt des Laserschweißens: Die Profile können anwendungsbezogen optimiert werden. Profilzonen, die einer geringen Belastung ausgesetzt sind, werden demnach mit reduzierten Materialstärken und Zonen hoher Belastung mit entsprechend größeren Materialstärken produziert, ganz nach den Angaben der Ingenieure und Statiker.
Die hohe Flexibilität der Fertigungsanlagen ermöglicht es auch, kleine Projekte mit geringen Losgrößen bis hin zur Prototypenfertigung zu bedienen. „Unsere Bestrebungen gehen dahin, dem Kunden ein qualitativ hochwertiges Produkt zu liefern“, sagt Michael Stumm, weshalb eine hundertprozentige Schweißnahtkontrolle zum Herstellungsprogramm gehört. Das Kontrollsystem überprüft lückenlos die gesamte Verbindung eines Profils auf komplette Durchschweißung und erkennt eventuelle Unregelmäßigkeiten automatisch. Ob im Maschinenbau, in der petrochemischen Industrie oder in der Architektur von Fassaden: Montanstahl-Laserprofile gewährleisten jederzeit ein konstantes Stärkenmaß, parallele Flansche, exakte Kanten und eine homogene Oberflächenstruktur, was sich von herkömmlichen Stahlprodukten nicht behaupten lässt. Abgesehen von der präzisen Produktion und hochwertigen Vormaterialien ist für die Produkte in Edelstahl rostfrei ein Passivierungsverfahren mit eigens entwickelter Beize für die hohe Montanstahlqualität verantwortlich. Dass die Edelstahl-Oberflächen zuverlässig von allen Ablagerungen befreit werden, versteht sich von selbst. Besser geht’s kaum.
Diese Qualität bleibt nicht unbeachtet. Neben treuen Industriekunden ruft sie seit geraumer Zeit mehr und mehr Architekten auf den Plan. Stahlprofile dieser Fertigungsgüte offerieren für den sichtbaren, repräsentativen Fassadenbau ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten, sodass selbst Stars der Szene sich bereits dafür interessieren, beispielsweise Frank O. Gehry, Architekt des bekannten Guggenheim-Museums in Bilbao. Auf die Frage, wofür die Schweiz steht, könnte die Antwort dann künftig lauten: „Alpen, Banken, Schokolade und Laserprofile.“ Ein schönes Lob.
